Nur gemeinsam
Text: Luke27Beat: Jaylab
Part I
Ihr kriegt ´nen Diskurs, der euch härter trifft als´n Diskuss.
In unserem Land herrscht zwar nicht mehr der Faschismus,
dennoch offenkundig ausgeprägter Nationalismus,
der abgewertet wird, brisanter ist Kannibalismus.
Dank High-Tech-High-Society und Kapitalismus
entscheidet für Kids auf der Straße der Materialismus.
Neid und Missgunst - die Nährböden für Fanatismus,
schlägt der Vater daheim, auch leicht für Sadismus.
Ich verhöhn’ es und will’s anders machen á la Dadaismus,
doch zu oft stoße ich noch auf blanken Rassismus -
Angriffe auf Inder in einem ostdeutschen Dorf;
Ausländer begehen an einem wehrlosen Rentner fast Mord.
Man fragt sich: was kommt morgen? Frieden scheint impossible.
Menschen voller Hass suchen und finden ohne Grund Motive.
Wenige gehen sich aus dem Weg, eher an die Gurgel.
Auf Gewalt folgt Gewalt. Besinnen wir uns auf unsere Wurzeln.
Ob schwarz, ob weiß, Indianer oder Thais,
Tibetaner oder Scheichs, wir sind alle gleich!
Unterscheidungsmerkmal sind einzig Glauben & Hautpigmentierung.
Rassistisch sind, drastisch gesehen, schon Taschen mit Raubtierverzierung.
hook
Was muss noch passieren?0 Wer kann was tun?
Wer urteilt heut zu Tage über schlecht und gut?
Es ist selten wie es scheint, schau genauer hin!
Geh nicht nach der Masse, steh über den Dingen!
...
Was auch kommt, lasst uns Sorgen und Leid teilen,
und zumindest versuchen Vorurteilfrei zu sein.
(Für die, die noch nicht verstanden haben, hier ein kleiner Anstoß.)
Part II
Hoàng Giang ging damals als erster nach Deutschland,
konnte nicht mehr im Heu schlafen, wollte neu anfangen.
Er wagte den Schritt in eine gegensätzliche, fremde Welt,
fasste Fuß und den Wok und kochte gut für etwas Geld.
Wenig Einnahmen und die Tatsache, dass er allein war,
nagten am Selbstwertgefühl. Ihm fehlte die Heimat.
Doch die Chancen schienen endlos wie Eisenbahnschienen.
So war er überzeugt, sie zu holen - seine Familie.
Familie Wang bezieht die Wohnung im 18. Stock,
eines 20-Geschossers im tiefsten Plattenbau Ost.
Es sind die Frau, drei Kinder, Mutter und Bruder.
Schon morgen fangen sie an zu arbeiten, unten im Blumenstand.
Der Junge geht zur Schule, lernt deutsch wie die andern.
und wird ziemlich zügig zur Zielscheibe seines Jahrgangs,
hat Mutproben zu bestehen und wird trotzdem geschlagen,
hat keine Wahl, muss erniedrigende Fragen ertragen.
Gruppenzwang zerstört jede Aussicht auf Hilfe.
Die Klassenkameraden gucken weg, sagen keine Silbe.
Seine Welt steht still. Er sieht sich und sein Umfeld,
eine so bunte Welt, um ihn herum nur Unmenschen.
Sein Onkel steht oft vor dem Laden und guckt traurig.
kramt mit den Händen in den Taschen, außer bei Blaulicht,
Selten nehmen die Leute mal Blumen oder ´nen Strauß mit.
Täglich kommen die gleichen Gesichter und kaufen Kippen.
Eines Morgens schwören die Wangs, der Teufel sei hier.
Die Rollläden beschädigt und mit Hakenkreuzen beschmiert.
Ein Schlag ins Gesicht. Es lief zwar nicht exzellent,
doch nun stehen sie vor den Abgründen ihrer Existenz.
...
(Es gibt natürlich Hoffnung! Noch ist es ein erreichbares Ziel, doch es fehlt nicht viel zur fiktiven Vision.)
Part III
Friedrich zieht mit seiner Mutter in der Wedding.
Die alte Wohnung war zu teuer. Nun zählt jeder Pfennig.
Ihr Boss hat sie gefeuert. Sie fühlt sich fast wie 60,
Jeder Tag ist hart und erscheint ihr nahezu unendlich!
In einer unbekannten Gegend, allein unter Fremden,
versuchen sie, so gut es geht, zu leben – einfach nur kämpfen.
Hier gibt es keine Geschenke. Jeder kümmert sich um sich.
Zum Glück gibt´s das Sorgerecht, als der Richter das Urteil spricht.
Erster Schultag: der Sohn will sich nichts Peinliches leisten.
In seiner neuen Klasse ist er wohl der einzigste Weiße.
Er fühlt sich einsam wie Waisen und dann geschieht’s.
Er sieht ´ne ganze Bande, ca. 20 Mann, in seine Richtung ziehen.
Er steht wie angewurzelt, hat Angst und will fliehen,
atmet tief. Sie würden ihn wohl schlagen und abziehen.
Einer von ihnen, ein bärtiger, kräftiger Schwarzer,
schaut ihm direkt in die Augen und schlägt ihm auf die Schulter, doch nur zaghaft,
sagt, er hieße Abasi und käme aus Ruanda,
fragt, wer vor ihm stünde. Er zähle, wenn er wolle, ab sofort zur Mannschaft.
Friedrich will nichts riskieren, was kann er da nur machen?
Sie geben einander die Hand. Alle fangen an zu lachen.
Es dauert nicht lange und die beiden haben vieles gerafft.
Sie diskutieren, philosophieren, phantasieren und spielen Schach.
Einer setzt sein’ weißen Bauern, der andere den schwarzen Springer.
Gemeinsam, Seite an Seite, sichern wir die Zukunft unserer Kinder!
© Luke27