Denkmal

Text: Luke27
Beat: Acoustic View, Luke27

Dies ist die tragische Geschichte der Familie Sternberg.
Sie lebten in Frieden, machten auch sonst nichts verkehrt.
Man hörte von vielen die gingen, niemals wiederkehrten.
Keiner hätte geahnt, dass ihnen bald das Selbe widerfährt.
Es war ein kalter Abend im November '43,
lang war das Ehepaar alles andere als glücklich,
Sie hielten sich versteckt. Überall lauerten Gefahren.
Sie wurden gejagt, gehasst und fast krank vor Angst.
Wie in jeder Nacht versuchten sie zu verdrängen.
Suchten Zuflucht bei Gott, falteten ihre Hände.
Schließlich war er es, der ihnen Anna vor Jahren schenkte.
Möge er helfen, oder zumindest Schutzengel senden.
Mit einem Lächeln trat die Mutter hervor,
drückte und küsste ihre Tochter. Sprach in ihr Ohr.
Der Vater kam dazu, sang dann leise ein Lied.
Es war Annas 8. Geburtstag. Der 5. im Krieg.
Plötzlich, hörten sie schwere Motorgeräusche.
Der panische Blick der Eltern verriet: Das sind die Deutschen.
Sie löschten sofort die Kerzen und die Petroleumleuchte.
Sie beteten und hofften: Sie mögen sich doch vielleicht täuschen.
Doch, nein, der LKW stoppte direkt vor dem Haus,
jemand erteilte Befehle und rastete fast aus.
Der Vater sagte: "Geht, versteckt euch! Die sind gleich hier!"
Schon bald hörten sie Schritte und es hämmerte an der Tür.
"Aufmachen!" , schrie es.  Nichts und niemand rührte sich.
Die Mutter nahm ihr Kind an der Hand und zerrte es unter den Tisch.
Anna wusste, diesmal war es kein Spiel. Das war jetzt wirklich.
Sie zitterte und Tränen rannen ihr über's Gesicht.
Die Tür flog auf, herein rannten schwarze Gestalten.
Sie kamen mit Taschenlampen, sahen sofort den Alten,
schrieen, packten ihn und drückten ihn wider Willens auf die Knie,
schossen ihm in den Kopf und grinsten, als er zu Boden fiel.
Ihr geliebter Vater war's, der da vor Anna lag.
Alles was sie wahrnahm, war ein starker Druck im Hals.
Ein leises Weinen, doch zu laut, es hatte sie verraten.
Sie schloss ihre Augen und spürte förmlich den kalten Schatten
des Soldaten, der sie sah und ganz sanft auf den Arm nahm,
er fragte sie nach ihrem Namen und brachte sie zum Lastwagen.
Dort saß ihre Mama. Sie hatten sie nicht ermordet!
Sie umklammerten sich so lang und fest wie sie nur konnten.
Sie fuhren los. Doch wohin? Diese Bestien!
Beide weinten und schauten bloß hilflos und verängstigt.
Anna rief nach dem Vater, an ihrer Wange klebte sein Blut.
Die Mutter hauchte nur noch: Sei tapfer, alles wird gut.
Anna hatte Hunger. Ihr war kalt. Sie schlug die Augen auf
und begriff: alles war real und nicht nur ein böser Traum.
Was sie sah konnte sie kaum glauben. Kinder, Männer, Frauen,
eingesperrt in einem staubigen, luftverbrauchten, engen Raum.
Die Mutter lehnte an der Wand und starrte an die Decke,
schien total in Trance und ausgelaugt bis auf's Letzte.
Als Anna sie ansprach streichelte sie ihren Kopf,
wollte ihr was sagen, doch ihr fehlte jedes Wort.
Plötzlich das Geräusch eines bremsenden Zuges.
Sofort stürmten alle zum Fenster, wollten wissen was los ist.
Hinter ihnen öffnete sich die Tür. Sie hörten: "Alle raus, jetzt!"
Totenstille im Raum. Sie standen da wie angewurzelt.
Ein Mann schoss zwei-, dreimal, ohne jede Regung,
in die Menschenmenge, mehrere Personen gingen zu Boden.
Dann kam er auf sie zu und brüllte "Los! Bewegung!".
Sie liefen sofort los, begleitet von Schreien und Tränen und
gelangten auf einen Platz, um sie herum nur Unbekannte,
trotzdem schien es ihr als seien sie alle vertraute Verwandte.
Anna wusste nicht was geschah, hatte Angst und fragte,
doch die Mutter wagte ihr nicht zu sagen was sie planten.
Wie zur Antwort verlas dann ein Soldat ihre Namen
und schickte sie alle zusammen in Richtung Eisenbahn.
Ein Mann rannte mit seiner Waffe heran, stieß sie
in einen der Waggons, pferchte sie zusammen wie Vieh.
Die Tür wurde verriegelt, die Leute bekamen Panik,
denn sie standen dicht an dicht, sahen die Hand vor Augen nicht,
schwiegen oder riefen um ihr Leben. Es gab einen Ruck,
Der Zug fuhr los. Sie hörten nur noch das Pfeifen der Lok.
Die Fahrt verlangsamte sich und sie kamen zum Stillstand.
Alle starrten auf die Tür durch die Gebell und Gebrüll drang’,
Sie wurde aufgeschoben. Geblendet von Licht und Nebel
nahmen sie völlig verschreckt die ersten Befehle entgegen.
Anna wusste nicht wie lang sie nun schon da stand.
Ihr Kopf war leer, wie die der anderen. Kein klarer Gedanke.
Ihr Körper, steif und schwer, Schweißperlen, pumpendes Herz,
Stunden des Schmerzes. Als die Mutter an ihr zerrte
liefen sie raus durch die Finsternis zu einem Gebäude,
Man verwies und trieb sie in leere, kalte Räume,
nahm ihnen alles ab, schnitt ihnen grob die Haare.
Sie sollten sich ausziehen, um zu duschen, wie man ihnen sagte.
Sie betraten eine Halle. Annas Herz raste.
Alle kreischten, wussten was sie erwartete.
Die Mutter schenkte ihr einen Kuss, dann ein Stechen in der Brust.
Sie krächzten nach Luft. Sie wollten nicht sterben! Excitus.

© Luke27